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Die Ziegelei am Kremerberg

 

 

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Außer einem verfallenen Backsteingebäude an der L82 auf der linken Seite Richtung Ahrensburg, erinnert heute nur noch wenig an die ehemals vom Grafen Schimmelmann errichtete Ziegelei am Kremerberg.

Die Ziegelei am Kremerberg (14.11.1955)In dem Haus war einstmals das Büro der Ziegelei untergebracht.
Wie eine von dem Zeichner Diehn im Jahre 1747 angefertigte Karte zeigt, lag die von dem damaligen Ahrensburger Gutherren Detlef Rantzau betriebene Ziegelei zuvor auf Beimoorer Gebiet. Das Delingsdorfer Land, auf dem etwa im Jahre 1845 die Ziegelei errichtet wurde, hatte der Graf Heinrich Carl von Schimmelmann im Zuge der Verkoppelung 1774 erstanden. Seine Nachfahren hatten 1893 wiederholt versucht, das Gelände von der Gemeinde Delingsdorf abtrennen zu lassen. Die Gemeindevertretung unter dem Vorsitz des Gemeindevorstehers F. Timm beschloss jedoch einstimmig, nicht in die Abtretung einzuwilligen, da "ein öffentliches Interesse für die Abtrennung nicht anerkannt werden kann." Die Hartnäckigkeit der Delingsdorfer Gemeindevertretung hatte sich gelohnt. Zu Beginn des Jahres 1894 teilte der Kreisausschuss des Kreises Stormarn F. Timm mit, dass er den Plan"betreffend die Abtrennung der im Besitz des Grafen von Schimmelmann-Ahrensburg befindlichen zu Kremerberg Gemeinde Delingsdorf belegenen Ziegelei mit Ländereien von dieser Gemeinde und Vereinigung mit der Gemeinde Kremerberg, nicht weiter" verfolgen wollte.

Aus einer Aufstellung der im Jahre 1892/93 geht hervor, dass im Sommer acht Arbeiter täglich 11 1/2 Stunden und im Winter zwei Arbeiter acht Stunden täglich beschäftigt waren. Der Wochenlohn belief sich im Sommer auf 7 Mark, im Winter auf 4 Mark und frei Kost. Unter dem Ahrensburger Grafen C. Schimmelmann wurden die Ziegelei und die Wohnungen der dort Beschäftigten mehrfach erweitert, modernisiert und ausgebaut. So auch im Jahre 1906, als er ein Maschinenhaus sowie einen Etagentrockner mit ca. 43 Metern flügelartiger Verlängerung zu beiden Seiten errichten ließ. "Das Heraufschaffen der nassen Steine in den Trockner geschieht durch einen Fahrstuhl neuester Konstruktion mit selbsttätiger Schutzvorrichtung. Für das Herunterschaffen der Steine nach vollendeter Trocknung sind drei Steinablässe vorgesehen."

Wie aus einer Aufstellung der "Industrie der Steine und Erden" hervorgeht, beschäftigte die Ziegelei im Jahre 1894 zwei Arbeiter im Alter von 14 bis 16 Jahren und fünf Arbeiter über 16 Jahre. Der wöchentliche Arbeitslohn betrug im Durchschnitt 15 Mark. Im Sommer wurden 11,5 Stunden täglich gearbeitet. Im Winter waren nur noch zwei Arbeiter 8 Stunden am Tag beschäftigt, da dann nicht gebrannt wurde.

Ahrensburger SchlossDie Ziegelei war bis 1933 im Besitz der Familie Schimmelmann. Dann musste diese in der Folge der Weltwirtschaftskrise das Ahrensburger Schloss und auch den Betrieb in Delingsdorf verkaufen. Die Ziegelei ging an die Brüder Christian und Leopold Meyer über. Bereits unter dem Grafen Schimmelmann und bis 1939 bestand ein Großteil der Belegschaft aus ausländischen Arbeitnehmern - Polen, Franzosen, Russen und Italienern. Während des zweiten Weltkrieges wurde Betrieb eingestellt. Von 1943 bis 1948 hatte die Hamburger Glashandelsfirma Grewe & Behrens die Gebäude der Ziegelei gemietet, da ihr Domizil in Hamburg bei Bombenangriffen zerstört worden war. Erst im April 1949 wurde die Arbeit in der Ziegelei wieder aufgenommen. Einer der Brüder Meyer errichtete auf einem Teil des Geländes eine Obstplantage.

Nach Kriegende begann die Zeit des Aufbaus und das Geschäft lief gut. Es gab Arbeitsplätze für 24 Angestellte. Das Werk produzierte 3 bis 3,5 Millionen Ziegel jährlich. In der Produktionszeit von April bis September musste die Menge hergestellt werden, die in den Wintermonaten zu brennen war. Der Ton der unteren Schicht der 15 m tiefen Tongrube war besserer Qualität als der der oberen Schicht. Um eine durchschnittliche Güte zu erhalten, wurden beide miteinander gemischt. Neben den hellroten Ziegeln wurden auch Drainagerohre und Deckensteine gefertigt. Bevor man später dazu überging, Betondecken einzuziehen, dienten diese Deckensteine zur Isolierung und Schalldämmung.

Von 1953 bis zum 1. September 1958 war die Ziegelei an Dr. Meifarth verpachtet. Mit den Jahren verschlechterte sich die Auftragslage, so dass die Ziegelherstellung 1958 eingestellt wurde. Die Gebäude riss man drei Jahre später ab. Auf einem Teil des Geländes wurden eine Werkhalle zur Reparatur von Karussells und außerdem eine Auto-Selbsthilfewerkstatt errichtet. Die heutigen Besitzer haben ihren Wohnsitz in München und Ahrensburg.

In den Jahren 1958 bis 1970 diente die ehemalige Tongrube als Mülldeponie für Hausmüll, Bauschutt, Gartenabfälle und Industriemüll. Die dort stattfindende Müllverbrennung war für die anliegenden Betriebe und die Landwirte immer wieder ein Ärgernis. Nach dem Schließen der Mülldeponie erscheint es heute so, als hätte sich die Natur diesen Teil des Ziegeleigeländes zurückerobert.

Quelle: "Delingsdorf - Die Geschichte eines Dorfes in Stormarn" von Waltraud Strobach

 
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