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Mo. 12.11.2012, Gemeinde:

Einladung zur Gedenkstunde

Ich komme eigentlich nicht so schnell ins Stocken. Aber kürzlich ist es mir doch passiert. Ich wollte im Religionsunterricht wissen, was junge Erwachsene über den Volkstrauertag denken.

Längst erinnert der Volkstrauertag ja auch an Kriege in der Gegenwart. Tim schaut mich an. Aber ein anderer meldet sich und erzählt von seinem Cousin, der traumatisiert aus Afghanistan zurückgekommen sei.

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Tim hat unser Gespräch von Anfang an aufmerksam verfolgt – ohne etwas zu sagen. Wir sprachen über die Millionen von Opfern des Ersten und Zweiten Weltkriegs und darüber, dass es gut sei, an einem Tag im Jahr öffentlich daran zu erinnern – damit so etwas nie wieder passiert. „Und was ist mit heute?“, werfe ich ein.

Jetzt nickt Tim – und dann ergreift er das Wort: „Mein Bruder wollte bei der Bundeswehr studieren. Er war als Sanitäter in Afghanistan. Zwei Mal. Er ist durch einen Anschlag getötet worden. Das war vor einem Jahr.“ -
In der Klasse ist es jetzt ganz still. Ich komme ins Stocken. „Was haben Sie gerade gesagt, Tim? Habe ich das richtig verstanden ...?“

Niemand kann der Familie diese Trauer abnehmen, die Wut und den Schmerz. Auch nicht der Volkstrauertag.
Meinen Schüler etwa quält die Frage: „Warum ist mein Bruder nur dieses Risiko eingegangen?“ Als sei das nur dessen privates Berufsrisiko gewesen. Aber ich finde: Das geht uns doch alle an. Es kann uns als Gesellschaft nämlich nicht egal sein, was mit einzelnen Mitgliedern passiert. Deshalb trauern wir am Volkstrauertag öffentlich. Das verschafft Distanz. Und die ist wichtig. Wir leisten uns ein öffentliches Nachdenken. Zwischen den Zeilen wird nämlich die bohrende Frage mitschwingen: „Ist der Preis für unsere militärischen Einsätze nicht doch zu hoch?“

aus: Das Wort zum Sonntag, ARD 2011

Gedenkstunde und Kranzniederlegung am Ehrenmal
am Sonntag, den 18. November 2012 um 11.00 Uhr